Meine IT-Firefighter Werkzeugkiste – Das Kompetenzmodell

Meine IT-Firefighter Werkzeugkiste – Das Kompetenzmodell

Wer von uns weiss, kann wirklich unterscheiden, wann er tatsächlich denkt und wann er sich nur selber etwas vormacht. – Stanislaw Brzozowski

Das Kompetenzmodell verinnerlichte ich mir vor ein paar Jahren. Es landete nebenbei in meiner Werkzeugkiste. Heute unterstützt es mich, bei der Umsetzung von Projekten ein entsprechendes Vorgehen zu empfehlen. Aber wie kam es dazu?

Es begann mit der Einarbeitung in eine neue Technologie. Mit dieser mussten wir bei einem Kunden ein Projekt realisieren. Es war klar, dass wir dazu eine weitere Person mit Erfahrungen auf diesem Gebiet benötigten, die mich mit dem nötigen Fachwissen fit machte. Unser erster Versuch eine entsprechende Person zu finden scheiterte und ein Austausch wurde nötig. Beim zweiten Versuch fanden wir dann auch zwei Personen mit den notwendigen Skills. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich extrem profitieren. Ich bekam die notwendigen Hintergrundinformationen, analysierte in meiner Freizeit die Architektur dieser Technologie, damit ich ein besseres Verständnis für künftige Entwurfsentscheide aufbauen konnte. Es gab fachliche Anforderungen in diesem Projekt, die hatten es in sich. Gemeinsam konnten wir jedoch Lösungen finden. Das Kompetenzmodell beschreibt dabei, welche Phasen man durchläuft, bis eine effiziente Technologie-Kompetenz aufgebaut ist. Nachfolgendes Modell veranschaulicht den Ablauf.

Die vire KompetenzstufenIn meinem Beispiel war ich in der unbewussten Inkompetenz als ich diese Technologie noch nicht kannte. In die Stufe der bewussten Inkompetenz trat ich ein, als ich das erste Mal von dieser Technologie hörte. Mit der Auseinandersetzung begann ich die bewusste Kompetenzstufe. Hier musste ich auch vieles nachschlagen und ausprobieren. In diesem Zusammenhang fällt auch häufig der Begriff „Lernkurve“. Ich musste viel überlegen und Aspekte in Form von intensiven Überlegungen durchspielen. Mit etwas Übung nahmen diese Überlegungen ab, da sich eine gewisse Routine einstellte. Ab dieser Phase betrat ich die Stufe der unbewussten Kompetenz. Abläufe sind quasi in Fleisch und Blut übergegangen. Ein Nachteil dieser Phase ist, es fällt mir nicht immer leicht zu erklären warum und wieso ich es so mache. Auch explizite Hinweise auf das Vorgehen fallen schwerer, da nicht nur ich dies als implizites Daily Business voraussetze. Seit ich mir diesen Umstand bewusst wurde, achte ich auch in Kundenworkshops darauf, um implizites Daily Business explizit machen zu können.

Mein Erlebnis ist hier aber noch nicht zu Ende. Adam, der mich mit Tipps und Tricks in dieser Technologie begleitete, wechselte nach dem Projekt zum Kunden. In der damaligen Firma wurde Karl angestellt, welcher mich künftig bei der Weiterentwicklung unterstützen sollte. Karl musste neben der Technologie auch die fachlichen Anforderungen kennenlernen. Hier konnte ich in der Praxis erleben, welche Hürden und Gefahren zwischen dem Wechsel der Kompetenzstufen lauern können. Mit Adam, Karl und dem Projektleiter gab es einen Workshop. Karl und der Projektleiter hatten ein sehr selbstsicheres Auftreten. Als Adam begann, die Besonderheiten der fachlichen Anforderungen zu erklären, antworte Karl: «Das ist doch einfach». Adam stellte ihm aufgrund seiner Aussage ein paar Fragen. Nach dem Workshop kam Adam auf mich zu und wollte mit mir unter vier Augen reden. Er wollte von mir wissen, auf was für einem Trip dieser Karl sei.

Mit seinen Fragen hätte er ihn getestet und aus seiner Sicht habe Karl noch grosse Lücken. Nach dem Meeting gab es intern noch ein Gespräch. In diesem erklärte Karl, dass Adam doch gar keine Ahnung hätte. Hier musste ich das erste Mal richtig überlegen, sollte das ein Angriff auf mich sein? Ich fand dann aber einen interessanten Denkfehler, welcher genau dieses Verhalten widerspiegelt. Dieser wird als Dunning-Kruger Effekt beschrieben. Eine fehlerhafte Neigung sein eigenes Können zu überschätzen und das der anderen zu unterschätzen, interessanterweise mit hohem Selbstvertrauen. Näheres dazu findest du auf Wikipedia.

Dieser Effekt kann im Übergang von der unbewussten zur bewussten Inkompetenz auftreten. Aber auch in der unbewussten Kompetenz kann sich der Denkfehler „Overconfidence Bias“ einschleichen. Angepasst auf das Modell sind die Denkfehler wie folgt angesiedelt.

Nach diesen Erlebnissen habe ich mir Gedanken gemacht, was ich tun muss um nicht in diese Fettnäpfchen zu treten. Zwei Techniken wende ich seitdem an.

Die erste Technik ist eine Aufteilung in Upside und Downside. Es gibt selten eine richtige Lösung, aber häufig weiss jeder von uns was nicht optimal bzw. falsch ist. Ich achte dann beispielsweise darauf weniger bis nichts vom Falschen zu tun. Gerade in einer chaotischen Domäne ist das sehr hilfreich.

Meine Tabelle enthält dadurch folgende Einträge auf der Downside:

UpsideDownside 
Overconfidence Bias
Dunning Kruger Effekt

Die zweite Technik wende ich nach jedem Workshop mit Kunden an. Ich stelle zwei Fragen:

  1. Was hat ihnen gefallen?
  2. Was wünschen sie sich?

Dadurch kann ich meine Wahrnehmung mit dem Kunden abgleichen, mein Handeln hinterfragen und wenn nötig korrigieren.

Eine weitere Herausforderung ist die Ermittlung der tatsächlichen Kompetenz einer Person.

Wie sind deine Erfahrungen zu diesem Thema? Dein Feedback interessiert mich!

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