Meine IT-Firefighter Werkzeugkiste – Konfliktwurzeln

Meine IT-Firefighter Werkzeugkiste – Konfliktwurzeln

Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit ist

Paul Watzlawick

Vor zwei Monaten hatte ich die Gelegenheit mich einen ganzen Tag mit Gianni Assetta über das Thema Konflikte und deren Auslöser auszutauschen. Einige Methoden waren mir bereits bekannt. Trotzdem schaffte es Gianni mit ein paar Aussagen ein regelrechtes Kopfkino in mir mit Aha-Momenten zu veranstalten.

Eine wichtige Erkenntnis waren für mich die drei Konfliktwurzeln, die häufig gebündelt daherkommen und das Thema komplex machen. Mir wurde klar, dass für die Legitimation die ganze Energie in einem Projekt verschwendet wird, wenn die Konflikte ungelöst bleiben.

Erstaunlich, es gibt nur drei Auslöser für Konflikte die ein regelrechtes Chaos veranstalten können.

Angst

Eine Wurzel für Konflikte ist die Angst. Diese verführt zu einer Abwehrhaltung und legitimiert dadurch eine Verteidigungs- und Notwehrhaltung. Tritt diese Wurzel isoliert auf, so können konstruktive Massnahmen erarbeitet werden. Die Herausforderung dabei, der Übergang zu Konkurrenz kann fliessend sein.

Konkurrenz

Bei dieser Wurzel wird das Thema schon ein wenig anspruchsvoller. Konkurrenz verführt zu Neid und Missgunst. Der dadurch entstehende Konflikt kann dann schonmal sehr viel Energie binden, da mit allerlei Kreativität neue Spielregeln das Kräfteverhältnis bzw. das Umfeld neu ordnen sollen. Als Legitimation gelten dann häufig Gleichstellung und Gerechtigkeit.

Für diese Wurzel habe ich vor einiger Zeit meine Einstellung mit dem Glaubenssatz «Ich möchte heute besser sein, als ich gestern war» angepasst. Dadurch tappe ich selbst nicht mehr in die Falle des Konkurrenzdenkens. Es fällt mir einfacher, mich von anderen inspirieren zu lassen, auch von meinen Kindern.

Mir wurde aber bewusst, dass dies kein Schutz darstellt, wenn sich eine andere Person an mir reiben will. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er auf das energieraubende Spiel eingehen will oder nicht.

Auch hier ist die Herausforderung, dass der Übergang zu Stolz fliessend sein kann.

Stolz

Diese Wurzel macht Konflikte unberechenbar. Sie verführt zu Kränkung und Zorn und legitimiert dadurch Rache, Vergeltung oder Genugtuung.

Führen diese Wurzeln zu einem Konflikt, so ist meist das Hauptziel dahinter, neue Spielregeln für das aktuelle Umfeld festzulegen. Die Kombination macht die jeweilige Situation komplex. Beim Thema Komplex kam mir das Cynefin-Framework mit dem entsprechenden Handlungsmuster für die komplexe Domäne in den Sinn.

Komplexe Domäne

Für die komplexe Domäne empfiehlt das Cynefin-Modell das Handlungsmuster Probiere-Erkenne-Reagiere. Der Schwerpunkt liegt dabei auf reagieren. Es macht deutlich, dass in einer anderen Situation mit ähnlichen Anzeichen das gleiche Vorgehen ein ganz anderes Resultat zur Folge haben kann. Die Praxis entsteht und lässt sich selten für ein anderes komplexes Problem nutzen bzw. anwenden.

Die Abbildung zeigt das Cynefin-Modell mit den fünf Domänen Unordnung, Einfach, kompliziert, komplex, chaotisch. Komplex ist rot hervorgehoben. Es stellt die Domäne der Konfliktwurzeln, neben chaotisch dar.

Eine bewusste Erkenntnis, die Zusammenarbeit im Team ist immer komplex. Dementsprechend lassen sich keine Standardprozeduren ableiten. Jeder Fall ist individuell, die Praxis entsteht mit der Auseinandersetzung im jeweiligen Konflikt und dessen Lösungserarbeitung.

Die Eskalationsstufen

Wenn ein Konflikt beginnt, dann visualisieren die Eskalationsstufen einen möglichen Verlauf sehr eindrucksvoll.

Die Abbildung zeigt die 3 Bereiche und neun Phasen einer Eskalation. Zunehmend stehen die Legitimierungsgründe anstatt der Fakten.

Zu einem Hauptproblem in einem Konflikt wird die Beziehungsebene. Je weiter der Konflikt fortschreitet, umso weniger interessieren die Fakten. Die Lösungsfokussierung steht dann nicht mehr im Mittelpunkt des Handelns. In den Vordergrund rücken die Legitimierungsversuche der jeweiligen Konfliktwurzeln. Durch den zunehmenden persönlichen Bezug wird die Sachebene immer mehr ausgeblendet. Die ganze Energie und natürlich auch das Projektbudget wird so im Konflikt der Beziehungsebene gebunden und regelrecht verbrannt.

So kann ein Konflikt, der aus der Wurzel Angst heraus entstand, die Wurzel Konkurrenz begünstigen. Werden die Probleme nicht bearbeitet, so gibt es am Ende Gewinner und Verlierer. Etwas schärfer wird das Ganze, wenn sich die Wurzel Stolz in Kombination einnistet. Die Legitimierung auf Rache erzeugt am Ende nur Verlierer. Soweit muss es natürlich nicht kommen. Ein Verständnis und Bewusstsein dafür zu entwickeln ist jedoch unabdingbar. Ungelöst kann künstliche Harmonie entstehen, Sachkonflikte werden dann sehr schnell persönlich.

Für mich war dieser Tag sehr hilfreich da ich folgende Themen wie Puzzle-Teile zusammensetzen konnte:

Was sind deine Erfahrungen zu diesem Thema? Dein Feedback interessiert mich!

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