Home-Office mit Kleinkind – (M)ein Weg und 5 Tipps

Home-Office mit Kleinkind – (M)ein Weg und 5 Tipps

In unserem letzten Gastbeitrag hat Thirza Schneider vom Blog swisshomeschoolfamily Einblicke in andere homeschooling-erfahrene Familien gegeben und die wichtigsten Tipps gesammelt, wie Home-Office und Homeschooling erfolgreich vereinbart werden können. Aber was ist, wenn die Kids noch gar nicht im Schulalter sind? Wie funktioniert es mit Kleinkindern? Und was für Optionen eröffnen sich, damit die Arbeit nicht liegen bleibt?

Schon mal vorweg: Homeoffice für Eltern geht immer noch mit hohen Erwartungen an die Vereinbarkeit und zu harmonischen Vorstellungen einher. Mama oder Papa sitzen am Laptop am Tisch, währenddessen die Kinder zauberhafte Basteleien kreieren und sich gegenseitig helfen. Alle sind fröhlich, die Sonne strahlt zum Fenster hinein und das Zmittag köchelt schon vor sich hin…
Leider nicht. Und seit dem Lockdown noch weniger…
Viel eher nerven sich die Eltern, wer jetzt beim Ausschneiden hilft oder der Puppe die Hose anzieht, weil das unbedingt und unverzüglich erledigt werden muss.

Mobiles Arbeiten und der mobile Arbeitsplatz

Das mobile Arbeiten und der mobile Arbeitsplatz hat eine der höchsten Prioritäten bei databinding. Die Organisation und Struktur ermöglicht vieles und macht es realistisch weltweit zusammen zu arbeiten. Wir von databinding arbeiten seit Beginn hauptsächlich im Home-Office, haben aber auch ein lokales Büro, wo wir ebenfalls arbeiten können. Alles sehr flexibel und für mich als zweifache Mutter ein riesen Vorteil. 

Seit Februar (gerade noch vor der Corona-Zeit) arbeite ich nun für databinding und am Anfang hatte auch ich die vorher beschriebene Vorstellung von Home-Office im Kopf…
Die Grosse ging in den Kindergarten, die Kleine war Zuhause. Ich dachte, das schaukle ich schon! Wenigstens am Morgen, wenn nur ein Kind da ist, sollte ich doch zu was kommen und ein paar Pendenzen abarbeiten. Falsch gedacht: Zum Arbeiten kam ich so gut wie nie! Entweder war der Wäscheberg so hoch, dass er jede Minute kollabierte oder die Kleine fand es superblöd, dass die Mama ihren Kopf fast ins Tablet steckte und nicht wirklich bei ihr war.
Frustrierend.

In einem ersten Schritt fing ich an, in jeder freien Minute zu arbeiten. Eine Viertelstunde am Morgen, während dem Znüni der Kleinen. Eine Stunde (eher eine halbe) am Mittag während der Mittagpause der Kinder. Eine Stunde am Abend, wenn die Kinder schon schlafen.

Die Lösung? Leider nicht. Jedenfalls nicht für mich. 

Ich war nonstop drauf und dran, ständig im Hinterkopf, dass «ich dann noch arbeiten sollte». Anstatt die Zeit mit meinen Kindern zu geniessen, war ich mit dem Kopf bei der Arbeit. Alles wurde mir zu viel, der Haushalt blieb liegen, ich nörgelte ständig herum und wenn der Mittagsschlaf früher endete als vorgesehen, kriegte ich die Krise. Keine leichte Zeit, vor allem für meinen Mann, der alles auffangen musste.
Schnell hörte ich damit auf, denn mit dem Arbeiten in den eigentlichen Pausen in unserem Familien-Tagesablauf, ging schlussendlich auch meine komplette Energie flöten. Und was das bedeutet, weiss wohl jeder, der sich schon so verbogen hat.

Teil einer ersten Lösung für uns war, dass ich regelmässig am Samstagmorgen «arbeiten ging». Das grosse Glück für mich: Dank dem mobilen Arbeiten konnte ich mich ins Büro von databinding zurückziehen, obwohl ich die Tage vorher im Home-Office gearbeitet hatte. Für die Kids war ich weg und unerreichbar. Schon nach dem ersten Versuch stellte sich diese Entscheidung als echten Glücksfall heraus. Ich hatte Zeit in Ruhe mehrere Stunden am Stück zu arbeiten und war dementsprechend gut gelaunt, mein Mann genoss die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer Töchter und sie wiederum mal ohne Mama, nur mit Papa zu sein.

Mit der beginnenden Corona-Zeit stand zuerst unsere Grosse aus dem Kindergarten Zuhause und brauchte Unterhaltung und kurz darauf wurde auch mein Mann ins Home-Office verfrachtet. 

Zwei Kinder Zuhause.
Eltern Zuhause.
Kinderbetreuung, Haushalt und Home-Office.

Das ganze Gefüge musste sich zuerst einspielen und bald mussten wir akzeptieren, dass das alles nicht einfach so aneinander vorbei geht. Da verbergen sich ungeahnte Konfliktwurzeln, aber auch ganz viel Verständnis und Anerkennung, was der andere so leistet. 

Anekdote: Während ich erfolglos probierte die zwei Kinder anzuziehen, um endlich an die frische Luft zu gehen, rief plötzlich mein Mann aus dem Büro:«okey, ich seh’s ein! Du hast echt den strengeren Job als ich. Meine vollste Anerkennung und Dankbarkeit dafür»
Mein Gesicht… wahrscheinlich unbezahlbar. So wuchsen wir noch mehr zusammen. Und hatten immerhin den grössten Teil der Zeit Zuhause relativ entspannt gestaltet. Wir lernten, was schon lange fällig war. Endlich milder miteinander zu sein.

Zurück zum Home-Office mit Kleinkind. Was hat uns weitergeholfen?

Der Leitsatz «Der Weg ist das Ziel» haben wir verinnerlicht. Heisst in diesem Kontext, sich immer wieder reflektieren in Bezug auf die Organisation und Struktur in der Familie. Passt das noch? Fühl ich mich damit gut? Brauche ich eine Änderung? Braucht jemand anderes aus der Famile eine Änderung?

Lösungsansätze gab und gibt es für uns verschiedene. Ein elementarer Punkt ist ein fixer Plan, wer wann arbeitet und wer dann für die Kinder zuständig ist. Und dieser Plan ist absolut verbindlich. Dabei muss man etwas kreativ werden, Arbeitszeiten verschieben wo möglich und eben auch am Abend oder Wochenende eine Fokuszeit einplanen. Wie gesagt, wo möglich und das ganze auch immer flexibel wieder anpassen. Falls mal wirklich beide gleichzeitig ein unverschiebbares Meeting haben, muss das iPad hinhalten. Ob Lernapp oder Film, es gibt ganz bestimmt etwas passendes und altersentsprechendes. 
Und wenn das Kleinkind einfach noch zu klein ist? In dem Fall geht’s nicht ohne Unterstützung. Lieber zu früh als zu spät! Klar, in diesen Corona-Zeiten ist das leichter gesagt als getan. Aber es gibt bestimmt jemanden, der kurz mit dem Kind spazieren geht und man sich später revanchieren kann. So entstehen wertvolle Win-win Situationen, die für das Home-Office elementar sind. Wenn man auf keine externen Institutionen wie Schule oder Kita zählen kann, braucht man sein eigenes Netz. Oder wie es Nicola Schmidt, Gründerin des Artgerecht-Projekts so schön nennt: das eigene «Dorf». Das müssen nicht zwingend Mitglieder aus der Familie sein, mit den Grosseltern als Risikogruppe fällt eine grosse Ressource aktuell weg.  Es können auch gleichgesinnte andere Eltern oder hilfsbereite kinderliebe Nachbarn zum «Dorf» dazu stossen.

Und nach getaner Arbeit?

Geniesst die gewonnene Zeit mit der Familie! Es ist trotz all den Herausforderungen ein Privileg Zuhause zu arbeiten und quasi vom Office direkt in die Familie zu spazieren. Richtet euch Pausen ein zum auspowern oder runterfahren, lasst beim Haushalt das «5i grad si» und schraubt allgemein die Erwartungen etwas runter. Das entspannt die ganze Situation ungemein.

Mit der richtigen Organisation (und die ist unabdingbar), kann das Home-Office mit Kleinkindern von beiden Elternteilen gelingen. Seid mild miteinander, erwartet keine Pinterest gerechten Basteleien und geht raus an die frische Luft… denn so bleibt genügend Energie- und Nervenreserven, um Wut und anderen Emotionen zu begegnen und begleiten. Aber mehr dazu ein anderes Mal.


Meine 5 Tipps für Home-Office mit Kleinkind:

  1. Arbeits(fokus)zeiten mit geregelter Betreuung
  2. Kreativ werden im Tagesablauf
  3. iPad und allgemein digitale Medien nützlich und mit gutem Gewissen einsetzen
  4. Eigenes unterstützendes «Dorf»
  5. Erwartungen runterschrauben in jeglichen Bereichen

Was sind eure Erfahrungen und wichtigsten Hilfen? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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